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Vom markgräflichen »weyngarten«
zum Bio-Weinproduzenten

Für 1660 Schock Meißnischer Groschen erwarb der Wettiner Markgraf Wilhelm I. im Jahre 1401 das Dorf Kötzschenbroda mit sämtlichen Äckern, Wiesen und Weingärten – womit der Weinanbau in der Gegend erstmalig urkundlich belegt ist. Acht Jahre später dann werden diese Weingärten auch geografisch verortet und namentlich genannt: 1409 sandte Wilhelm II. ein Viertel Fuder Wein aus dem "weyngarten, der do heyst auff der Lessenitz" ans Freiberger Kloster.

Die Bezeichnung "Hofleßnitz" allerdings taucht 1622 zum ersten Mal in den Akten auf. In dieser Zeit begannen unter Johann Georg I. – die Wettiner waren mittlerweile mit der Kurwürde belehnt worden – die Bemühungen um die Konzentration des kurfürstlichen Weinbaus an dieser Stelle. Rund 100 Jahre lang mehrte das sächsische Herrschergeschlecht seinen Besitz durch Zukauf umliegender Weinberge.

Johann Georg I. war es auch, der um 1650 das Lust- und Berghaus errichten ließ, doch vor allem sein Sohn Johann Georg II. hielt hier nach des Vaters Tod mit großem Pomp Hof: Zu einem dieser Anlässe etwa "ist auch von 12 Trompetern zur Taffel geblasen und die Paucken geschlagen worden, unter währender Taffel haben die Trompeter und Heer-Paucker wie auch die Schweitzer Pfeiffer uffwartten müssen".

Anfang des 18. Jahrhunderts sorgten in der Hoflößnitz ein Bergverwalter, ein Bergvogt, zwölf Winzer, ein Pressmeister und mehrere Pressknechte dafür, dass die kurfürstlichen Weinkeller immer gut gefüllt waren. Doch rund 150 Jahre später machten die Reblaus und die neuen Importmöglichkeiten preiswerter italienischer und französischer Weine dem sächsischen Weinbau den Garaus. Die Hoflößnitz und ihre Weinberge wurden daraufhin 1889 versteigert.

Das Gut wechselte mehrfach den Eigentümer und gelangte schließlich in den Besitz des Hoflößnitzvereins, der es 1912/13 restaurierte und ein erstes kleines Museum einrichtete. Auch die Weinbau-Versuchs- und -Lehranstalt unter ihrem Leiter Carl Pfeiffer war hier ansässig und bemühte sich um eine Neubelebung des Weinanbaus. 1915 ging das Gelände in den Besitz der Gemeinde Oberlößnitz über, die später nach Radebeul eingemeindet wurde. Nach einem Intermezzo als Kriegsgefangenenlager für Soldaten der Roten Armee im Zweiten Weltkrieg und anschließend als Sitz der sowjetischen Besatzungsmacht wurde 1946 aus dem Stadtweingut Hoflößnitz ein Volksweingut, das erst 1992 wieder ins Eigentum der Stadt Radebeul gelangte. Seit 1998 kümmert sich nun die Stiftung Weingutmuseum Hoflößnitz um die kulturellen Belange und eine Betriebsgesellschaft um den Wein – unter streng ökologischen Gesichtspunkten.