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Sonderausstellung

Franziska Kunath – Bilder aus Landschaften

05.04.2022 - 22.05.2022

Worte von Heinz Weißflog zur Eröffnung der Ausstellung „Bilder aus Landschaften“ mit Arbeiten von Franziska Kunath

Liebe Franziska Kunath! Sehr verehrte Damen und Herren, liebe Freundinnen und Freunde der Kunst, sehr geehrter Herr Andert und Mitarbeiterinnen von Schloss Hoflößnitz!

„Achtung Frühling!“ nennt Franziska Kunath eine vernis mou-Radierung, die neben weiteren Drucken in einer Vitrine dieser Ausstellung zu sehen ist: Feine, verdichtete Strichelungen und in einer expressiv-wuchernden Landschaft aufbrechende Tulpenblüten verkünden das Wunder, das jedes Jahr in der Natur stattfindet.

Die 34 Arbeiten unterschiedlichster Techniken, darunter Tuschezeichnungen, Drucke, Mischtechniken und Ölbilder, feiern die Schönheit von Landschaft und Natur auf besondere Weise: Es ist, als buchstabiere die Künstlerin ihre Landschaften in kräftigen Pinselschwüngen, in denen sich geheime Zeichen, Schriftformen und Figurationen verbergen. Schemen wie Tiere und seltsame Fabelwesen bevölkern im Dickicht versteckt oder im Wald verborgen ihre Bilder. Oft schimmern Leiber im Buschwerk, die stürzen und sich wieder aufrichten, Pan als der Naturgott erscheint in seinen vielfältigen Verwandlungen.

Das große Thema Natur beherrscht die gesamte Präsentation in einem archaisch aufgefassten Animismus von Pflanze und Tier. Temperamentvolle Metamorphosen und Brechungen erfolgen beim Malen auf Papier oder Leinwand, die Umsetzung des vor Ort Empfangenen in einem konsequent durchgehaltenen Rhythmus, der wie Schrift oder Musik über das Bild tanzt. Man denke sich die Musik von Claude Debussy (Nachmittag eines Faun) oder eine Melodie aus Edvard Griegs symphonischer Dichtung Peer Gynt (In der Halle des Bergkönigs), in der Trolle oder Erdgeister ihre bizarre Spur durch die Landschaft ziehen. Dabei erscheinen die den Jahreskreis durchwandernden Bilder wie wohltemperierte Déjà-vus wahrgenommener Landschaftseindrücke, die über die Topografie hinausweisen und Fantasie und innere Gestimmtheiten der Künstlerin einbeziehen.

Wesentliches hat Franziska Kunath von ihrem Lehrer, Professor Max Uhlig im Studium an der HfBK Dresden empfangen: Die Wahrnehmungsfähigkeit komplexer Strukturen in der freien Natur, ihre Zurücknahme und Abstraktion zugunsten eines zeichnerischen und malerischen Mediums, das dem Gedächtnis von Landschaft Klischee und süßliche Abbildhaftigkeit entreißt und es sensibel für das Wesentliche in ihr macht. Die streng affine Wiedergabe wird gebrochen und ins Bildpoetische gehoben, Rhythmus, Licht, Klangfarbe und Melodie wirken als bestimmende Faktoren und ergeben ein organisches Zusammen.

Geprägt wird Franziska Kunaths Bildwelt durch ihr ländliches Zuhause und Refugium in Röhrsdorf bei Klipphausen. Die unmittelbare Umgebung um den natürlich belassenen Vierseithof ist immer wiederkehrendes Motivreservoir, Hof, Scheune und Stall, die Wiesen und Bäume im Garten, die eigenen Schafe, der nahegelegene Wald im Regengrund, die Höhen um Pinkowitz und Klipphausen. So werden diese Motive immer wieder vertieft und wiederholt, variiert und nuanciert.

Das Ölbild ist eher Figur und Landschaft vorbehalten und trägt leicht surreale und humorvolle Züge, wie bei „Astronaut im Paradies“ (2015) oder „Arche“ (2017), eine apokalyptische Allegorie, sowie „die Anderen im Garten“ (2020), eine Vision mit Außerirdischen. Aber auch das Leben mit der kleinen Schafherde im umzäunten Garten hat Eingang in ihre Bildwelt gefunden, vor allem in „Landschaft mit Schafgeräusch“, wo Gehörtes in die Bildwelt eindringt und es zu skurrilen Formenextravaganzen verzaubert.

Labyrinthe und Kringel, gekräuselte Lineaturen und leicht ornamentale Kokons (Wolkenandeutungen) komplettieren das jeweilige Bild, Schwebendes und Strebendes vereinigen sich. Der kahle Baum (besonders in den Tuschen) wird zum visuellen Zeichen, zur unaufdringlichen Metapher, die ihren Gegenstand rein malerisch auffasst. So stehen Torsi und Stümpfe neben den vitalen Baumschöpfen von Fichten und Kiefern, saftig und schwer im Bild ruhend oder hin und her schwingend in seltsam tänzerischem Gestus.

In Franziska Kunaths Bildern herrscht ein offener Raum, besonders im herben Klang der winterfarbenen, hellen Landschaften, aber auch in der Weite der maritimen Themen (Usedom). Da ist nichts Kleinliches, Engherziges, da setzen sich Landschaften von Bild zu Bild fort, als Serie oder Thema mit Variationen.

In den Tuschen, die zum Teil farbig angelegt sind, wird eine besondere Atmosphäre spürbar, die das Urerlebnis der Natur in sich trägt und spirituell verdichtet. Die in ihnen verschlüsselt Botschaften vermitteln sich über das Schauen, das immer wieder aktiviert und angeregt wird durch die Bizarrerie ihrer Realisierung. Das Erlebnis des Vegetabilen hat dabei den Vorrang, das in vegetativen Formen vom Mythos des Weltenbaumes (der Weltesche Yggdrasil) ebenso erfüllt ist wie von der Notwendigkeit der Erhaltung unserer natürlichen Umwelt.

Franziska Kunath richtet ihren Blick auf das ihr Naheliegende. In ihrem bäuerlichen Haag, wo sie ein nachhaltiges und einfaches Leben führt (fast ärmlich, würden die Städter sagen) entfaltet sich ein geistiger Reichtum, der unmittelbar aus der Strenge und dem Ernst der Lebenserhaltung resultiert. Die selbst auferlegte Beschränkung auf die notwendigen materiellen Mittel und das existentielle Minimum lenken die Künstlerin auf das Wesentliche des Lebens, in dem sie in der eigenen Welt die Sinnfrage stellt: Woher kommen wir, wer sind wir und wohin werden wir gehen?

 

Franziska widmete ich ein für das Batzdorfer Pleinair 2020 entstandenes Gedicht:

Im Hain des Pan
Syrinx verweilt
Zwischen fallendem
Buschwerk: Die Ahnung
Von Leibern im Dickicht
Hingestürzte und sich
Aufrichtende
Es singt eine Flöte
Vom Spiel der Zweige
Die sich biegen und
Auftun glückhaft
Und stumm.

Ich danke Ihnen!

Heinz Weißflog

 

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