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Zur Geschichte der Hoflößnitz

Weinkultur seit 1401

1401 begründete Markgraf Wilhelm I. den wettinischen Weinbergsbesitz in der Lößnitz. Schon Mitte des 16. Jahrhunderts ist im Bereich der 1622 erstmals so genannten Hoflößnitz eine kurfürstliche Weinpresse nachgewiesen. Mit der im frühen 17. Jahrhundert begonnenen Erschließung der Steillagen durch den Trockenmauerbau nach württembergischer Art und der Arrondierung der kurfürstlichen Weinberge im Osten der Lößnitz entwickelte sich die Hoflößnitz zu einem der bedeutendsten landesherrlichen Weingüter in Sachsen.

Abb.: Gemälde Bauernaufzug in der königlichen Hoflößnitz zur Weinlese 1746, nach Johann Christoph Jünger

Unmittelbar nach Ende des Dreißigjährigen Krieges gab Kurfürst Johann Georg I. in seinem Weingut den Bau eines repräsentativen Lusthauses in Auftrag. 1650 fertiggestellt, war dieses mit Wand- und Deckengemälden prächtig ausgezierte Schlösschen bis Ende des 18. Jahrhunderts Schauplatz höfischer Feste zur Weinlese. Die aufwändigsten Feste veranstaltete August der Starke, der 1715 auch die Tradition der Winzeraufzüge in der Lößnitz begründete.

Abb.: Winzer mit Kalebstraube, Detail aus der Umrisslithographie zum Winzerzug von 1840 nach Moritz Retzsch, Sammlung Hoflößnitz

Im 19. Jahrhundert wurden die in Staatsbesitz verbliebenen Weinberge der Lößnitz, bei Cossebaude und Pillnitz von der Hoflößnitz aus verwaltet. 1840 organisierte die Weinbaugesellschaft im Königreich Sachsen hier das erste Nationalfest der sächsischen Winzer. Der dafür vom Maler Moritz Retzsch gestaltete Winzerzug hat die Weinfestkultur im Elbtal bis heute nachhaltig geprägt. Der 1887 festgestellte großflächige Reblausbefall führte zwei Jahre später zur Auflösung des Gutes.

Abb.: Porträtfoto Carl Pfeiffer, um 1930, Sammlung Hoflößnitz

Um die drohende Parzellierung und Bebauung der historischen Gutsanlage abzuwenden, gründeten Oberlößnitzer Bürger 1912 den Hoflößnitzverein, dem es gelang, das Schlossgrundstück für ein geplantes Weinbaumuseum zu erwerben und die Gebäude instand zu setzen. 1915 ging die Anlage in kommunales Eigentum über. 1919 wurde im Winzerhaus eine Gaststätte und 1924 im Lust- und Berghaus ein Heimatmuseum eröffnet. Die 1913 im Grundstück eingerichtete Rebenveredelungsanstalt, aus der in den 20er Jahren die von Landwirtschaftsrat Carl Pfeiffer geleitete Weinbauversuchs- und Lehranstalt Hoflößnitz hervorging, spielte eine wichtige Rolle bei der Neubelebung des sächsischen Weinbaues nach dem Ersten Weltkrieg.

Abb.: Weinetikett Stadtweingut Hoflößnitz, Jahrgang 1948, Sammlung Hoflößnitz

Nach dem Zusammenschluss der Lößnitzgemeinden zur Stadt Radebeul erwarb diese seit 1935 verschiedene im Stadtgebiet brachliegende Weinbergsgrundstücke zum Aufbau eines kommunalen Weingutes. Dessen Kellerei wurde 1939 im Pressenhaus der Hoflößnitz eingerichtet. Die Verstaatlichung dieses Unternehmens führte 1949 zur Teilung des Grundstücks. Die Rückübertragung der zu DDR-Zeiten vom volkseigenen Weingut Radebeul genutzten Gebäude und Flächen an die Stadt Radebeul 1992 schuf die Voraussetzung für die Erarbeitung eines der historischen Bedeutung und dem Denkmalwert der Anlage entsprechenden Sanierungs- und Nutzungskonzepts.

Abb.: Foto Innenhof mit Pressenhaus, Zustand Anfang der 1980er Jahre, Sammlung Hoflößnitz

1998 wurden das Hoflößnitzgrundstück und die weinbaugeschichtlichen musealen Sammlungen in das Eigentum der neu gegründeten Stiftung Hoflößnitz überführt, deren wesentliche Aufgaben im Erhalt und der Pflege der Anlage und im Betrieb und der weiteren Ausgestaltung des Sächsischen Weinbaumuseums liegen. Dank der Unterstützung seitens der Großen Kreisstadt Radebeul, des Freistaates Sachsen, des Fördervereins „Kulturlandschaft Hoflößnitz“ e.V. sowie weiterer privater und öffentlicher Förderer konnten seitdem wesentliche Sanierungsziele erreicht werden. Die Bewirtschaftung der zugehörigen Rebflächen sowie der Weinstube und des Gästehauses erfolgt durch die 1997 gegründete Weingut Hoflößnitz GmbH.