Zwischen Elbe und Weinberg
12.05.2026 - 21.06.2026
Lößnitzbilder von Karl Friedrich (1896 – 1987)
“Karl Friedrich – und wie weiter?”, hätte ich beinahe gefragt, als Gabriele Gottschalk mich vor etwas einem Jahr darauf ansprach, ob in unserem Museum die Möglichkeit bestünde, eine Ausstellung mit Werken ihres Vaters zu zeigen. Die letzte Personalausstellung lag da schon fast drei Jahrzehnte zurück, was
entschuldigen mag, dass mir der Name nicht gleich vertraut klang. Wobei – war uns nicht kürzlich erst eine Sammlung mit Stillleben und einer Landschaft
„von dem Radebeuler Maler Karl Friedrich“ angeboten worden? Jetzt erinnerte ich mich, dafür kein Interesse gezeigt zu haben, da die durchaus versiert
komponierten Bilder nicht zum Sammlungsprofil unseres Hauses passten. Ihr Vati hätte aber ganz viel gemalt, meinte Frau Gottschalk, auch Motive
aus Radebeul, wo er fast sein Leben lang gewohnt habe. Das klang schon interessanter, und da Gucken bekanntlich nichts kostet, bat ich unverbindlich um
nähere Informationen und ein paar Fotos.
Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten. Der kurze Lebenslauf sagte noch nicht viel. Doch schon bald, nachdem ich mich – über den „Link“ in der „Cloud“, so zeitgemäß komfortabel war das Ganze aufbereitet – durch Dutzende Vorschaubilder im Verzeichnis „Radebeul Kaditz“ zu „klicken“ begann, klickte es auch bei mir. Da hatte einer – nicht irgendeiner, sondern jemand, der sein Handwerk verstand – Jahrzehnte lang unermüdlich gezeichnet und gemalt, nicht auf der Suche nach gefälligen Postkartenmotiven, sondern von einer Vielzahl ungewöhnlicher Standorte aus, und damit ein im besten Sinn lebensnahes, facettenreiches Zeitbild der Lößnitz von sowohl künstlerischem wie dokumentarischem Wert hinterlassen, dessen Reiz ich mich nicht entziehen konnte. Freundlich die Farben, bescheiden der Duktus, sicher und zugleich frei der Strich und sympathisch die Tatsache, dass diese Elb- und Dorflandschaften oftmals nicht menschenleer daherkamen, sondern Leben zeigten: Kinder beim Spiel, Familien beim Spazieren, Bauern und Gärtner bei der Arbeit, Paare beim Stelldichein und zuweilen auch Künstler beim Malen. Keine Frage, diese Arbeiten verdienten, gezeigt und gesehen zu werden, und der Name ihres Schöpfers einen Platz im kulturellen Gedächtnis Radebeuls.
Die zunächst ventilierte Idee, Karl Friedrich mit einem anderen ähnlich begabten und vergessenen nebenberuflichen Lößnitzmaler einer etwas älteren Generation zusammenzuspannen, zerstob, als ein Besuch bei Frau Gottschalk den schieren Umfang seines künstlerischen Nachlasses erahnbar machte. Und dass Friedrich auch eine besondere Beziehung mit der Hoflößnitz verband, die ihm nicht nur vielfach als Motiv gedient hatte – schon in der allerersten Sonderausstellung unseres Museums, der „Kunstwoche der Lößnitz“ 1924, war er präsent gewesen, und die einzige nennenswerte Personalausstellung zu Lebzeiten war 1982 hier gezeigt worden – machte die Entscheidung für eine neuerliche Retrospektive bei uns nur um so folgerichtiger. Aus Raumgründen beschränkt sie sich auf eine repräsentative Auswahl aus Friedrichs Lößnitzbildern. Der nachhaltigen Erinnerung an ihren Schöpfer möge dieser kleine Katalog dienen. Allen daran und an der Ausstellung Beteiligten gilt mein herzlicher Dank.
Radebeul im April 2026,
Frank Andert, Museumsleiter

Kontakt
Sächsisches Weinbaumuseum
0351 / 839 83 31
info@hofloessnitz.de
Öffnungszeiten
Dienstag - Sonntag 10.00 - 18.00 Uhr
letzter Einlass 17.15 Uhr
Eintritt 3,50 € pro Person
ermäßigter Eintritt: 2,50 € pro Person
Kinder bis 12 Jahre: Eintritt frei
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